Leipzig

Leipzig
Leip|zig:
Stadt in Sachsen.

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Leipzig,
 
1) kreisfreie Stadt, Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Leipzig und des Landkreises Leipziger Land, Sachsen, durchschnittlich 118 m über dem Meeresspiegel, in der Leipziger Tieflandsbucht am Zusammenfluss von Parthe, Pleiße (in der Innenstadt untertunnelt) und Weißer Elster, (1999) 493 900 Einwohner (1989: 530 500 Einwohner). Die zentrale Lage von Leipzig innerhalb Mitteleuropas hat Verkehrsentwicklung und Handelsbeziehungen sehr begünstigt und die Grundlage für die Entwicklung der Stadt zu einem Wissenschafts-, Kultur-, Handels- (ältester Messestandort Deutschlands) und Wirtschaftszentrum gelegt. Leipzig ist Sitz des Sächsischen Verfassungsgerichts, des Sächsischen Rechnungshofs und Finanzgerichts sowie seit 1997 des 5. Strafsenats des Bundesgerichtshofs, demnächst (2002 oder 2003) des Bundesverwaltungsgerichts. Bedeutende Einrichtungen von Wissenschaft, Bildung und Kultur sind: Sächsische Akademie der Wissenschaften, Universität (1409 gegründet, 1953-90 Karl-Marx-Universität), Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (Fachhochschule), Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy«, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Handelshochschule, Ostdeutsche Hochschule für Berufstätige, Fachhochschule Deutsche Telekom, drei Max-Planck-Institute (für neuropsychologische Forschung, für Mathematik und für evolutionäre Anthropologie), privates Herzzentrum mit Status einer Universitätsklinik, Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig, Institut für Länderkunde u. a. Forschungsinstitute, Freie Akademie der Künste, Akademie für Wirtschaft und Verwaltung, Deutsche Bücherei, Universitätsbibliothek, Nationale Forschungs- und Gedenkstätten Johann Sebastian Bach, Haus des Buches (größtes Literaturzentrum Deutschlands), Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Stadtgeschichtliches Museum, Grassimuseum (mit Museum für Völkerkunde, des Kunsthandwerks und Musikinstrumentenmuseum), Museum der bildenden Künste, Galerie für zeitgenössische Kunst, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Zeitgeschichtliches Forum u. a. Museen, Opernhaus (mit Ballettschule), mehrere Theater, Gewandhausorchester, Thomanerchor, Medienzentrum (seit 2000 »Media City«), Sitz des Mitteldeutschen Rundfunks (seit Juli 2000 Hochhaus-Sendezentrale); zoologischer und botanischer Garten. In der Nähe der heute zur Universität gehörenden ehemaligen Hochschule für Körperkultur befindet sich das für 100 000 Besucher errichtete Zentralstadion; Galopprennbahn.
 
Nach der deutschen Wiedervereinigung entwickelte sich Leipzig zu einem der führenden Wirtschaftsstandorte und zu einer Finanz-, Handels- und Dienstleistungsmetropole in den neuen Ländern sowie zu einem Medienstandort. Die Industrieproduktion ging nach 1990 zugunsten des Dienstleistungssektors stark zurück. In der Stadt sind etwa 70 Kreditinstitute vertreten, darunter die Landeszentralbank für Sachsen und Thüringen. Wichtigste Gewerbezweige sind Druckmaschinen-, Werkzeugmaschinen-, Fördermittel- und Hebezeugbau, medizinisch-technischer Gerätebau, elektrotechnische/elektronische und Textilindustrie sowie der Geländewagenbau und das Baugewerbe; ein Spezialzweig ist der Klavierbau. Das einst bedeutende Druckereiwesen (Grafische Viertel in der Ostvorstadt) ging nach 1990 erheblich zurück, ebenso die wirtschaftliche Bedeutung der Verlage. Viele Betriebe aller Branchen zogen in die zahlreichen Gewerbegebiete am Stadtrand und in die nähere Umgebung von Leipzig um. Die Braunkohlengewinnung im Tagebau an der südlichen Stadtgrenze wurde 1992 eingestellt. Etwa ein Drittel der Stadtfläche sind Landschaftsschutzgebiete, darunter der das Stadtgebiet von Norden nach Süden durchziehende Auwald.
 
Leipzig war bis 1947 (Entstehung des Messestandorts Hannover) universeller deutscher Messestandort, zu DDR-Zeiten besonders Mittelpunkt im Ost-West-Handel. Die Leipziger Messe, hervorgegangen aus den um 1165 bezeugten Märkten (Verleihung des Messeprivilegs 1497 und 1507 durch Kaiser Maximilian I.) und schon im 18. Jahrhundert bedeutendste Warenmesse Deutschlands, wurde 1895 zur Mustermesse, die bis 1991 als Universalmesse alljährlich im Frühjahr und Herbst durchgeführt wurde. Seitdem finden das ganze Jahr hindurch Fachmessen (darunter die Leipziger Buchmesse) statt; im April 1996 wurde das bisherige Messegelände im Südosten der Stadt nach dreijähriger Bauzeit (Leitung: Architektenbüro Gerkan, Marg & Partner) abgelöst durch die Neue Messe im Norden von Leipzig (102 500 m2 überdachte Ausstellungs- und 3 000 m2 Freifläche). Der Rauchwarenhandel, früher neben London und New York der weltweit bedeutendste, wanderte nach 1945 überwiegend in den Raum Frankfurt am Main und wurde nach 1989 bedeutungslos. Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Leipzig-Mockau entstand ein Versandhaus der Firma »Quelle«. Im Süden der Stadt der 120 ha große Messepark Leipzig-Markkleeberg (Erholungspark; landwirtschaftliche Ausstellungen), westlich ein Naherholungsgebiet am 1,5 km2 großen Kulkwitzer See, der teilweise zu Leipzig gehört, südlich der Stadt der Cospudener See (Markkleeberg). Im Jahr 2000 war Leipzig dezentraler Standort der Weltausstellung »EXPO 2000«.
 
Leipzig ist Eisenbahnknotenpunkt und besitzt seit 1969 eine Schnell-Bahn. Internationaler Flughafen ist Leipzig-Halle bei Schkeuditz (2000: 2,3 Mio. Fluggäste).
 
 
In der weitgehend durch Fußgängerbereiche geprägten Altstadt wurden am in historischen Proportionen erhaltenen Markt die im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Gebäude des Alten Rathauses (1556 ff., Arkaden 1906-09; beherbergt heute das Stadtgeschichtliche Museum) und der Alten Waage (1555), die unter maßgeblicher Beteiligung von H. Lotter entstanden sind, wieder aufgebaut. In der Katharinenstraße befinden sich das Romanushaus (1701/03) und das Fregehaus (1706/07), beide von J. G. Fuchs (beide restauriert). Hinter dem Rathaus am Naschmarkt liegt die frühbarocke Alte Börse (1678-87), südwestlich die hochgotische Thomaskirche (auf Vorgängerbau des 12. Jahrhunderts, Chor 1355 geweiht, Langhaus 1482-96, Turm 1537; 1991-2000 letztmalig grundlegend renoviert mit Einbau einer neuen Bachorgel), eine der frühesten obersächsischen Hallenkirchen, Wirkungs- (ab 1723) und Grabstätte Johann Sebastian Bachs; vor dem Südportal das neue Bachdenkmal (1908 von C. Seffner). Südlich davon errichtete H. Licht 1899-1905 das Neue Rathaus anstelle der Pleißenburg (Neubau 1550-67) unter Einbeziehung eines Turms der Burg. Östlich vom Markt liegt die Nikolaikirche (14. Jahrhundert, klassizistisch umgestaltet durch J. F. C. Dauthe) mit der Alten Nikolaischule (1511/12, später mehrfach erweitert und restauriert, zuletzt 1991-94), die heute u. a. die Antikensammlung der Universität beherbergt. Nach Schleifung der Stadtmauer und teilweiser Umgestaltung der Wehranlagen zu Promenaden seit Ende des 18. Jahrhunderts begann um 1830 der Strukturwandel der Stadt, u. a. entstanden neue Vorstädte (z. B. Gartenstadt Marienbrunn, 1911-14). 1841-44 wurde der Bayerische Bahnhof gebaut. Repräsentative Bauwerke des Spätklassizismus und der Neurenaissance bestimmten bis um 1870 das Stadtbild (Alte Buchhändlerbörse, 1836; Hauptpost, 1836; Universitätsgebäude, 1836; Neues Theater, 1864-67 von C. F. Langhans). Als Folge des industriellen Wachstums wurden seit der Gründerzeit v. a. natursteinverkleidete Bank- und Versicherungsbauten, Messe- und Kaufhäuser errichtet. An der Stelle der mittelalterlichen Peterskirche entstand 1886-88 das Reichsbankgebäude, um dieselbe Zeit das Konzerthaus (Neues Gewandhaus, 1882-84, 1943 zerstört) von M. Gropius, die neugotische Peterskirche (1882-85), das Reichsgerichtsgebäude (1887-96; künftiger Sitz des Bundesverwaltungsgerichts) von L. Hoffmann, die Musikhochschule (1885-87) von H. Licht sowie die neuromanische Taborkirche (1902-04). Dem Jugendstil verpflichtet sind das Riquethaus (1908) und die Hauptgebäude des zoologischen Gartens (1899/1900). 1907-15 entstand der größte Kopfbahnhof Europas (moderne Umgestaltung 1995-97 durch das Architekturbüro Hentrich-Petschnigg & Partner). Die Deutsche Bücherei (1914-16, heute mit Buch- und Schriftmuseum) wurde 1959-65 erweitert und 1978-82 durch ein Büchermagazin ergänzt. Am Augustusplatz wude 1927/28 das Krochhochhaus mit Glockenspiel errichtet. Durch die Entwicklung von einer Waren- zur weltweiten Mustermesse entstanden zahlreiche »Messepaläste« mit Passagen, Restaurants und kulturellen Einrichtungen: Städtisches Kaufhaus, 1893-1901; Specks Hof, 1908/09; Mädlerpassage, 1912-14 (mit Auerbachs Keller); Petershof, 1927-29 im Stil der Neuen Sachlichkeit sowie die neoklassizistische »Betonhalle« (1912, mit Stahlbetonkuppel von 32 m Durchmesser) von W. Kreis auf dem alten Messegelände. Eine herausragende Leistung im Stahlbetonbau stellen die beiden 1928/29 errichteten Massivkuppeln (Spannweite je 75 m) der Großmarkthalle unweit des alten Messegeländes dar. - Mit dem seit 1950 begonnenen Wiederaufbau der Stadt und der städtebaulichen Neugestaltung entstanden am Roßplatz sieben- bis neungeschossige Gebäude, am damaligen Karl-Marx-Platz (seit 1990 wieder Augustusplatz) wurde an der Stelle des zerstörten Langhansschen Theaters das Opernhaus (1956-60) errichtet sowie das Interhotel »Deutschland« (1963-65; heute Hotel »Mercure«), die Gebäudegruppe der Universität (1968-75, deswegen erfolgte 1968 die Sprengung der Universitätskirche Sankt Paulus, 1229 gegründet, 1479-1521 umgebaut) und das Neue Gewandhaus (1977-81) nach einem Entwurf von H. Siegel; vor dem Gewandhaus steht der Mendebrunnen (1886) mit 18 m hohem Obelisk. Seit den 1980er-Jahren und besonders seit Beginn der 1990er-Jahre wurden mehrere Stadtzentrumsbereiche erneuert und umgestaltet: Moritzbastei (ursprünglich 1551-53, 1974-82 rekonstruiert), Grimmaische Straße, Thomaskirchhof (1983-85) mit rekonstruiertem Bosehaus (jetzt Johann-Sebastian-Bach-Museum). Zahlreiche kunsthistorisch bedeutsame Bauten wurden rekonstruiert und restauriert (Paulaner Palais, Klingerhaus, Städtisches Kaufhaus, Kaffeehaus »Coffe Baum«, Wohnbauten im Waldstraßenviertel), ebenso ehemalige Messehäuser und Passagen (u. a. Barthels Hof, Mädlerpassage, Petershof, Specks Hof, Stentzlers Hof, »Strohsack«). Zu den Neubauten gehören das Kaufhaus »Peek & Cloppenburg« in der Petersstraße (Entwurf: C. Moore, 1994 fertig gestellt), das 1996 eröffnete »Haus des Buches« (Entwurf: Hentrich-Petschnigg & Partner in Zusammenarbeit mit anderen), das Brockhauszentrum (1993-95) sowie »Löhr's Carré« (1993-96). Auch das Museum der bildenden Künste bekommt einen Neubau (Fertigstellung 2002 vorgesehen). Einen Erweiterungsbau (unter Einbeziehung der Herfurthschen Villa und eines benachbarten Hauses) von P. Kulka erhielt die Galerie für zeitgenössische Kunst. Das Grassimuseum (1925-27) am Johannisplatz, das 1943 und 1945 stark zerstört und seitdem nur notdürftig wiederhergestellt wurde, erfährt seit 1992 ff. eine Rekonstruktion; der Gebäudekomplex beherbergt das Museum für Völkerkunde, das Musikinstrumentenmuseum sowie das Museum für Kunsthandwerk. - Im Norden der Stadtteil Gohlis mit der Friedenskirche (1871), dem Schillerhaus (Museum) und dem Gohliser Schlösschen (um 1755/56) sowie der Versöhnungskirche (1929-32). Im Südosten der Stadt stehen die Russische Gedächtniskirche (1912/13) und das Völkerschlachtdenkmal (1898-1913, von C. Thieme nach Plänen von B. Schmitz). Beispiele des Neuen Bauens stellen die Wohnsiedlung Neu-Gohlis (»Kroch-Siedlung«, nach Entwurf von P. Mebes und P. Emmerich) und der »Rundling« (nach Entwurf von H. Ritter) in Lößnig dar (beide Anlagen 1930 fertig gestellt). Der Schönauer Park (um 1880) und der Robert-Koch-Park (um 1900) sowie zwei neue Sakralbauten, die evangelische Pauluskirche (1981-83) und das katholische Gemeindezentrum Sankt Martin (1984) befinden sich in der Großplattensiedlung Grünau. - Leipzig war Ausgangspunkt der Schrebergartenbewegung (1996 Eröffnung des »Deutschen Museums der Kleingärtnerbewegung«).
 
 
Eine seit dem 7./8. Jahrhundert bestehende slawische Siedlung wurde zur städtischen Keimzelle Leipzigs, das 1015 als befestigter Ort, 1050 als Burgwardsitz im Osterland erwähnt wird (urbs Libzi, wohl »Lindenort«). Die deutsche Burganlage (10. Jahrhundert; 1017 ersterwähnt) lag im Schnittpunkt bedeutender Handelsstraßen. In ihrer Nähe erwuchs eine erste deutsche Kaufmanns- und Handwerkersiedlung. Eine weitere Kaufmannssiedlung entstand vor 1150 um die heutige Nikolaikirche. Gegen 1165 erhielten die Ortschaften durch Markgraf Otto den Reichen von Meißen Stadtrecht und wurden noch vor 1200 mit einer gemeinsamen Mauer befestigt. Anfang des 14. Jahrhunderts erfolgte die endgültige Eingliederung in das wettinische Territorium (1485 an die Albertiner). Die Märkte (ab circa 1165; seit 1458/66 zu Neujahr, Ostern und Michaelistag) waren Vorläufer der 1497 und 1507 durch kaiserliches Privileg errichteten Messen.
 
Am 2. 12. 1409 wurde die Universitas Lipsiensis von Lehrenden und Studierenden gegründet und eröffnet, die die Universität Prag wegen des aufkommenden tschechischen Nationalismus verlassen hatten. Herzog Georg der Bärtige von Sachsen ließ 1519 die Leipziger Disputation ausrichten. Durch die Universität (1544 durch Herzog Moritz von Sachsen in humanistischer Geist erneuert) und die Reformation (1539 eingeführt, seitdem war die theologische Fakultät lutherisch) wurden Buchdruck und Buchhandel in Leipzig heimisch. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) erlitt die Stadt kaum Rückschläge. Sie überflügelte Nürnberg und Frankfurt am Main als Handelszentrum. Französische Glaubensflüchtlinge gaben Ende des 17. Jahrhunderts dem Wirtschaftsleben neue Impulse. Neben Buchdruck, Buchhandel (1825 Gründung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels) und Musikalienhandel blühte der Rauchwarenhandel. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts erreichte das Kunst- und Kulturleben europäische Bedeutung: 1723-50 wirkte J. S. Bach als Kantor an der Thomaskirche, Caroline Neuber leitete eine Reform des deutschen Theaters ein; Goethe, der 1765-68 die Leipziger Universität besuchte, erlebte die Stadt als geistigen Mittelpunkt Deutschlands. In den Napoleonischen Kriegen litt Leipzig schwer (1813-14 russischer Stadtkommandatur). Mit dem Anschluss an den Deutschen Zollverein wurden 1833 die negativen Auswirkungen der Randlage seit den sächsischen Gebietsabtretungen von 1815 überwunden. Leipzig, 1830 und auch 1848 ein Zentrum der revolutionären bürgerlichen Bewegung, nahm bei der Entstehung der Arbeiterbewegung eine führende Rolle ein: 1863 Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV), Wohnort von A. Bebel und W. Liebknecht. Nach der in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzenden industriellen Entwicklung (1839 erste deutsche Ferneisenbahn Leipzig-Dresden) ließen sich in Leipzig wichtige Fabrikationszweige nieder (besonders grafische und Textilbetriebe). Die Bevölkerung wuchs rasch an (1800: 32 000, 1870: 102 000, 1895: 400 000 Einwohner). Der Höchststand mit 717 000 Einwohnern wurde 1931 erreicht. Seit 1850 wurden etwa 40 Vororte und Rittergüter eingemeindet. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt schwere Schäden (v. a. 4. 12. 1943). 1952-90 war Leipzig Hauptstadt des gleichnamigen DDR-Bezirks. - An der Universität Leipzig (bis 1830 eine nach Nationen gegliederte Korporation; ab 1843 ohne eigene Jurisdiktion) lehrten u. a. C. F. Gellert, J. C. Gottsched, W. K. Heisenberg und (bis 1957) E. Bloch.
 
Durch die Entstehung informeller Gruppen in den 1980er-Jahren und die montäglichen Friedensgebete in der Nikolaikirche (seit Ende 1981) wurde Leipzig zu einem der Kristallisationspunkte der Bürgerbewegung. Die sich im Anschluss an die Friedensgebete organisierenden Montagsdemonstrationen (September 1989 bis März 1990; bedeutend v. a. am 9. 10. 1989) erreichten im Oktober 1989 eine DDR-weite Wirkung und trugen zum Sturz des SED-Regimes 1989 und zur Herstellung der deutschen Einheit 1990 bei.
 
Die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. 10. 1813entschied den Herbstfeldzug 1813 der Befreiungskriege. Das Vorgehen der Verbündeten, besonders der Schlesischen (G. L. Blücher) und der Nordarmee (J.-B. Bernadotte), zwang Napoleon I., sich von Dresden nach Leipzig zurückzuziehen; die wesentlich dem Rat A. W. A. Gneisenaus entstammenden konzentrischen Operationen hatten ihn mit der Einschließung bedroht. Nach einem unentschiedenen Aufklärungsgefecht zwischen der Hauptarmee der Verbündeten unter Schwarzenberg und der französischen Armee Murats (Reiterschlacht bei Liebertwolkwitz, 14. 10.) wurden die französischen und Rheinbundtruppen bei Wachau, Möckern, Lindenau und Dölitz nach dem Plan Schwarzenbergs zunächst noch ohne durchgreifenden Erfolg angegriffen (16. 10.). Erst in der Entscheidungsschlacht am 18. 10. schlugen die Verbündeten (Preußen, Österreicher, Russen und Schweden) im Vorgehen von Nordosten, Osten und Süden nach heftigen Kämpfen (v. a. bei Probstheida) die Truppen Napoleons, der sich zum Rückzug entschließen musste. Am 19. 10. erstürmten die Verbündeten in Straßenkämpfen Leipzig; Napoleonentkam mit Mühe, der sächsische König Friedrich August I. geriet in Gefangenschaft.
 
 
L. 1813, bearb. v. F. Donath u. a. (Leipzig 1953);
 
L. Gesch. der Stadt in Wort u. Bild, hg. v. K. Czok u. a. (Berlin-Ost 1978);
 
L. Aus Vergangenheit u. Gegenwart, hg. vom Museum für Gesch. der Stadt L., 3 Bde. (Leipzig 1981-84);
 
L., hg. v. W. Hocquél (Leipzig 31990);
 
Kirchen in L., bearb. v. M. Gretzschel u. H. Mai (1993);
 H. Zwahr: Ende einer Selbstzerstörung. L. u. die Revolution in der DDR (21993);
 
Die Architektur der Leipziger Messe, Beitrr. v. W. Hocquél u. G. Vogel (1994);
 
L. im Oktober. Kirchen u. alternative Gruppen im Umbruch der DDR, hg. v. W.-J. Grabner u. a. (21994);
 
Freunde u. Feinde. Friedensgebete in L. zw. 1981 u. dem 9. Oktober 1989. Dokumentation, hg. v. C. Dietrich u. U. Schwabe (1994);
 
Hauptbahnhof L. Gesch., Architektur, Technik, bearb. v. M. Berger (21995);
 
L. Streifzüge durch die Kulturgesch., bearb. v. W. Schneider (21995);
 
L. — ein geograph. Führer durch Stadt u. Umland, hg. v. L. Grundmann u. a. (1996).
 
 2) Regierungsbezirk im Nordwesten von Sachsen, umfasst Teile der Leipziger Tieflandsbucht, des Mittelsächsischen Berg- und Hügellands sowie die Dahlener und Teile der Dübener Heide, 4 386 km2, 1,10 Mio. Einwohner; zum Regierungsbezirk Leipzig gehören die kreisfreie Stadt Leipzig sowie die Landkreise Delitzsch, Döbeln, Leipziger Land, Muldentalkreis und Torgau-Oschatz; Verwaltungssitz ist Leipzig.
 
 3) von 1952 bis 1990 Bezirk der DDR, ging mit Ausnahme des zu Thüringen gekommenen Landkreises Altenburger Land im sächsischen Regierungsbezirk Leipzig auf.
 

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Leip|zig: Stadt in Sachsen.

Universal-Lexikon. 2012.

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